Druckversion Kuechenzeilen.de Unterseite

Wer hat an der Uhr gedreht?

Gut essen kostet Zeit, vor allem in der Zubereitung.

Während ich mir zum Abendessen zwei kleine runde Ziegenkäse mit Schinken umwickelte und mit Selleriehobel und Pistazienkernen in der Pfanne drei Minuten angrillte, um sie dann auf einen Salat zu setzen ... musste ich doch wieder einmal darüber nachdenken, wie aufwändig es doch ist, lecker zu essen und eben grundsätzlich keinen Supermarktmüll zu futtern.

Alleine heute zwischendurch: Möhren reinigen und für den nächsten Eintopf und als Beigabe zum gemischten Frühstück/Abendbrot in Scheiben schneiden oder tuppern. Einen Berg Porree putzen, zwei Sellerie zerlegen, eine halbe Stunde lang alle Biobio-Äpfel sorgfältig waschen und mit Baumwolltüchern trockenreiben, bevor sie in den Obstkorb wandern. Kernige und feine Haferflocken mischen und einweichen für ein grob nach Bircher angemischtes Frühstück morgen früh, denn ein paar Nashi-Birnen und diverse Mandarinen und Bananen sollen nicht so lange warten, bis sie weg müssen. Da waren der Besuch beim Metzger, die Suche nach dem richtigen Obst und Gemüse, der Markt und der andere Einkauf noch gar nicht mit drin, das Putzen und Zerkleinern der Champignons und Zwiebeln ...

Was das immer für eine Zeit kostet, die ja auch irgendwo her kommen muss - eigentlich Wahnsinn, wenn man keine Hausfrau ist, sondern berufstätig. Aber wenn man kein Supermarktfleisch, keine Konservierungs- und Süßstoffe, keine Geschmacksverstärker und keine irgendwie aufgeschäumte Nahrung zu sich nehmen will, muss man diese Zeit wohl finden.

Ich kann nachvollziehen, warum viele Leute Tiefkühlbeutel und Dosen nach Hause schleppen, um sich die Essenszubereitung zu vereinfachen.

Nachvollziehen, aber nicht verstehen.


Melody am Samstag, 09. Januar 2010